Aktuelles im Juli 2020

 

  • Endlich gibt es einen Beschluss zur Kastenstandregelung. Die Politik hat lange, sehr lange dafür gebraucht, und trotzdem macht der Beschluss eigentlich niemanden so richtig froh. Man hat halt einen Kompromiss zwischen „sofortige Abschaffung“ und „alles bleibt wie bisher“ gefunden. Im Deckzentrum (also dort, wo die Sau zur Besamung steht) müssen die Kastenstände innerhalb von maximal 8 Jahren abgeschafft und Alternativen gebaut werden. Im Abferkelbereich (Geburt und erste Wochen der Aufzucht) gibt es für den Umbau sogar 15 Jahre Zeit. Im Deckzentrum sollen die Sauen ein wenig mehr Platz im Kastenstand bekommen, in dem sie aber auch nur noch kurzzeitig während der Besamung fixiert werden. Im Abferkelbereich wird das Platzangebot ebenfalls ein wenig vergrößert, die Fixierung im Kastenstand auf maximal 5 Tage beschränkt. Tierärzte und Tierschützer hätten sich gewünscht, dass die Frist für die Abschaffung der Kastenstände schon jetzt beginnt und umgehend umgesetzt werden muss. Wir haben daher den Bundesrat angeschrieben und Maßnahmen vorgeschlagen, die die Landwirte dazu bewegen können, schon deutlich früher, nämlich in 2 bzw. 5 Jahren, die entsprechenden Umbaumaßnahmen umzusetzen. Immerhin: irgendwann in den kommenden Jahren werden Sauen nur noch etwa 6 Tage im Jahr in den Kastenstand gepfercht. Verglichen mit den momentan geltenden Kastenstandzeiten von 70 und mehr Tagen, ein großer Schritt nach vorn. Den wir uns allerdings für all die armen Schweine jetzt schon gewünscht hätten.

 

  • Erfreulich: von den Landwirten, die mit uns im Projekt „Schwein ohne Pein“ zusammenarbeiten kommen nun die ersten Anfragen, sie beim Umbau ihrer Ställe zu beraten. Wir haben Gabriele Mörixmann (siehe Bericht Nr.11) beauftragt, sich deren Ställe anzusehen und Umbaukonzepte zu machen. Damit es hoffentlich bald allen Schweinen so gut geht, wie im Stall von Gabi Mörixmann.

 

  • Die Schließung von Tönnies zieht erhebliche Probleme bei den Ferkelzüchtern und Mästern nach sich. Denn die Ställe platzen inzwischen aus allen Nähten. Über 20.000 Schweine werden bei Tönnies täglich geschlachtet – die stehen jetzt seit dem 20. Juni (!) in den Ställen. Über 400.000 Tiere, die immer weniger Platz im Stall haben, weil sie von Tag zu Tag dicker werden. Das ist massiver Stress für die Schweine, aber auch für die Landwirte. Denn es kommen ja immer neue Ferkel nach! Aktuell kann zwar dafür gesorgt werden, dass es erstmal keine neuen Schwangerschaften bei den Sauen gibt, aber viele waren halt schon vor dem 20.Juni trächtig. Andere Schlachtbetriebe können zwar einspringen, haben aber selbst kaum freie Kapazitäten, weil auch sie nur eingeschränkt arbeiten können. Was sind die Alternativen? Schlachtung im Ausland – das bedeutet lange Transportwege mit dem daraus folgenden Stress und Leid für die Tiere. Abwarten, bis die Tiere in den Ställen an Herz-Kreislauf-Problemen von alleine sterben – keine Alternative! Nottötungen auf den Höfen – auch keine echte Alternative! Töten ungeborener Ferkel im Mutterleib – was für eine grausame Vorstellung.

Tierschützer, die vor dem Tönnies-Werk in Rheda gegen eine Wiedereröffnung protestiert haben, denken leider nicht weit genug. Tönnies muss baldmöglichst wieder schlachten, sonst leiden noch mehr Sauen unter der unerträglichen Enge in den Ställen, stundenlangen Tiertransporten und Schlachtbedingungen, die deutlich schlechter als bei Tönnies sind.

 

  • In Haßleben in der Uckermark hatte bereits 2004 ein niederländischer Schweinemäster den Antrag gestellt, die ehemalige Mastanlage aus DDR-Zeiten wiederbeleben zu dürfen und dort 85.000 Mastplätze einzurichten. Nach erheblichen Protesten der Bevölkerung reduzierte er die gewünschte Menge auf 67.000, später auf 37.000 Plätze. Das wurde dann zwar vom Landesamt für Umwelt genehmigt, allerdings reichten der Deutsche Tierschutzbund, NABU und B.U.N.D. Klage gegen diese Genehmigung ein. Im Oktober 2017 hob das Verwaltungsgericht Potsdam die Genehmigung auf. Nun hat das Oberverwaltungsgericht mitgeteilt, dass eine Berufung nicht zugelassen wird. Die Schweinemastanlage in Haßleben ist damit endgültig vom Tisch.