Liebe Düsseldorfer,

letzte Woche las ich zu meiner Überraschung in einer Tageszeitung, dass die Stadt Düsseldorf „der Taubenplage nicht Herr wird“. Taubenplage???

Der Verein Stadttiere und der Tierschutzverein Düsseldorf tauschten in den betreuten 9 Taubenschlägen allein im vergangenen Jahr weit über 5000 Eier gegen Gipseier aus. Wäre davon nur jedes 4te Küken geschlüpft, hätten wir ca. 1300 mehr Tauben in der Stadt. Die hätten sich natürlich auch vermehrt und die Population weiter nach oben getrieben.

Ist das nun ein Erfolgskonzept oder nicht? Was ist daran so schwer zu verstehen?  Urteilen Sie selbst.

Erkenntnis des Tages: mancher Zeitungsartikel ist das Papier nicht wert, auf dem er gedruckt wurde. Nur ein müdes Lächeln…

Herzlichst

Ihre Monika Piasetzky

Stadttauben

Um das Problem rund um die Stadttauben in Düsseldorf zu lösen, arbeitet der TSV mit dem Verein Stadttiere e.V. eng zusammen.

Dort gibt es bereits viel praktische Erfahrung.

Der Stadttiere e.V. betreut bereits seit 2008 die in Düsseldorf vorhandenen Schläge, deren Anzahl inzwischen auf sieben angewachsen ist.

Der erste Schlag des TSV entstand im Dezember 2012 im Dachboden oberhalb der Geschäftsstelle mitten in der Innenstadt. Die Mitarbeiter des TSV, die in der Geschäftsstelle arbeiten betreuen den Taubenschlag und führen abwechselnd alle notwendigen Arbeiten, wie füttern, säubern, Ei-Austausch, regelmäßig durch.

Er soll dazu dienen einem etwa 70 Tiere starken Schwarm einen Schutzraum zu bieten, der gleichzeitig die Ausweitung der Population stoppt und die Versorgung der Tiere sichert.

Es ist ein Langzeitprojekt. Wie immer wird in den ersten 1-2 Jahren die Anzahl der Tiere ungefähr gleich bleiben. Eine Vermehrung wird verhindert.

Danach kann man davon ausgehen, dass langsam der Schwarm kleiner wird, weil die Nachkommenschaft ausbleibt.

Konzept Stadttaubenmanagement

Das Problem

Stadttauben sind nicht vom Aussterben bedroht. Ihr Gefieder ist nicht farbenprächtig und ihr Gesang nicht sehr melodisch.
Sie fliegen und laufen überall in unseren Städten herum, machen Schmutz, sind im Weg und sie leiden und sterben, still und zurückgezogen – meist unbeachtet und unbemerkt.
In unseren Städten sind sie für die meisten Menschen selbstverständlich, für viele lästig, für manche verhasst. Sie werden im besten Fall geduldet, meistens vertrieben, gejagt, gequält, verleumdet und missachtet - und sie haben so gut wie keine Lobby.
Dabei sind sie seit Jahrtausenden treue Gefährten der Menschen, in allen alten Kulturen rund um die Erde wurden sie - mit Recht - geschätzt und verehrt.
Viele ihrer Eigenarten wurden ihnen angezüchtet, unter anderem ihr unermüdliches Brutverhalten. 
Man wollte möglichst viele leckere, zarte Taubenbraten, viele Eier, viel Dünger, viele kleine Postboten – und das unabhängig von Jahreszeiten möglichst rund ums Jahr. 
Mit diesen "Zuchterfolgen" haben wir nun, wo Tauben keine wirtschaftliche und soziale Bedeutung mehr haben, zu kämpfen. 
Wir Menschen aber sind seit Jahrhunderten die Verursacher eben dieser Eigenschaften - und das macht uns verantwortlich.

Die Städte überbieten sich aber seit Jahren im Erfinden von Vertreibungs- und Ausrottungsmethoden. Es wird viel Geld in die Hand genommen um Gebäude und Brücken mittels Spikes und Netzen zu vergrämen, um sie vor Taubendreck zu schützen.
Es hilft alles nicht. Die Tiere suchen sich ganz einfach neue Plätze.

Es werden Raubvögel zur Bejagung eingesetzt. Die Tauben fliegen davon und kommen zurück, wenn die Luft wieder rein ist.

Es werden Fütterungsverbote erlassen. Das führt, außer zu einer weiteren Verelendung der Tiere dazu, das mitleidige Menschen nachts, in aller Heimlichkeit Futter ausbringen und sich seither verfolgt und gedemütigt fühlen und Angst vor Strafe haben müssen.

So viele Tauben man auch verbotenerweise durch Vergiften und andere unappetitliche Methoden „entsorgt“. Es kommen immer wieder Neue.

Dabei ist des Rätsels Lösung denkbar einfach:
Sie brauchen ein Zuhause!

Die Lösung

Teil 1

Der Plan ist, eine ausreichende Anzahl von Taubenschlägen an Standorten zu bauen, die stark von Tauben frequentiert werden.

In diesen Taubenschlägen werden die Tiere regelmäßig mit artgerechtem Futter  (Körnermischung) versorgt.
Da sie von Natur aus eher bequem sind, ziehen sie sich gern hierhin zurück, verbringen so ca. 80 % des Tages hier, paaren sich und brüten auf ihren Eiern.
Diese Eier werden regelmäßig, ohne dass die Tiere es bemerken, gegen Attrappen (Gips oder Plastik) ausgetauscht.
Durch diese gesteuerte Geburtenkontrolle stoppt die Population.

Der Kot (pro Tier 10 kg im Jahr) wird nicht mehr auf den Straßen und Gebäuden abgesetzt. Er kann im Schlag entsorgt werden. Dieser wird durch den Betreuer regelmäßig gesäubert und kontrolliert.

Ärger und Diskussionen über Für und Wider diverser Maßnahmen sowie die immer wieder auf der Tagesordnung erscheinenden gleichen Argumentationen und Gegenargumentationen, kurz unnötige Zeitverschwendung, bleibt den Stadtverwaltungen erspart.

Durch artgerechtes Futter, sauberes Wasser und wenn nötig medizinische Hilfe und Pflege entstehen kleine, gesunde Populationen.

Das bedeutet auch: Es geht von den Tauben keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung aus. In vielen anerkannten Studien wurde dies bewiesen.

In einigen deutschen Städten wird bereits die hier beschriebene  effiziente Herangehensweise praktiziert. Den größten Erfolg können allerdings nur die Städte verzeichnen, die konsequent und professionell vorgehen  und im Laufe der Zeit flächendeckend agieren. Das Ziel ist:

  • keine hungrigen Tauben auf der Straße
  • keine beschmutzen Gebäude und Autos
  • keine hässlichen Vergrämungen, die das Stadtbild beeinträchtigen

Teil 2

Ein beliebter Aufenthaltsort für Tauben sind auch Brücken und Unterführungen. Wenn in deren Nähe keine Möglichkeiten für einen Schlagbau gegeben sind, kann man alternativ verfahren, indem man die Brücken regelmäßig betreut.
Man füttert täglich artgerecht, tauscht zweimal im Monat die Eier aus und kümmert sich um kranke und verletzte Tiere.

Der Aufwand zeigt auch hier beeindruckende Wirkung.

Durch die artgerechte Fütterung wird auch hier die Verkotung eingeschränkt, weil die Vögel nicht mehr den nassen Durchfallkot produzieren, der sich schlecht durch die Straßenreinigung entfernen lässt.
Auch gilt hier natürlich genauso die Verringerung der Population.

Teil 3

Darüber hinaus benötigt man noch kontrollierte Futterplätze. Sie dienen als Lenkungsinstrument. Hier dürfen ebenfalls nur autorisierte Personen nach Plan füttern. Man kann keine Eier austauschen. Trotzdem muss gefüttert werden. Tauben sind Stress-Brüter. Durch Hunger, der für sie Existenzangst bedeutet, geraten sie naturgemäß in Stress und brüten bis doppelt soviel wie bei regelmäßiger Ernährung (Arterhalt). Dies muss man wissen für den gezielten und sinnvollen Einsatz von Fütterungsverboten und zur Vermeidung von Tierquälerei.

Wenn dann Schläge vorhanden sind, kann man die Tiere einfangen und dort einsetzen. Dann werden sie in einer abgetrennten Abteilung gehalten, die sie für einige Wochen nicht verlassen können. Man wartet bis sie sich verpaart haben und brüten.
Dann können sie, wie alle anderen, den Schlag nach Wunsch zu ihren schön anzusehenden Rundflügen verlassen um ihr Zuhause immer wieder aufzusuchen.
Mit dieser Vorgehensweise ist dem Tierschutz genüge getan, ebenso den Interessen von Städten und Gemeinden und natürlich den Bürgern.

Bei flächendeckender Umsetzung in NRW wird nachhaltig das so genannte „Taubenproblem“ von der Tagesordnung.